dialogprozess

Hintergründe und Geschichte

Gedanken, die unsere Praxis begleiten

Der Dialogprozess, wie wir ihn hier beschreiben, verbindet Gedanken über die Begegnung zwischen Menschen mit dem gemeinsamen Üben in einer Gruppe.

Kreisgespräche finden sich in verschiedenen Kulturen und neben vielen anderen ideengeschichtlichen Wurzeln des Dialogs sind wir duch die Gedanken folgender Personen beeinflusst: Martin Buber, David Bohm, William Isaacs, Martina und Johannes Hartkemeyer sowie Freeman Dhority. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ihre Gedanken regen dazu an, genauer hinzusehen: Wie begegnen wir einander? Wie entstehen unsere Vorstellungen? Und was wird möglich, wenn wir gemeinsam denken?

Martin Buber: Einander begegnen

Der Religionsphilosoph Martin Buber beschäftigte sich mit der Beziehung zwischen Menschen. In seinem Hauptwerk „Ich und Du“, steht die unmittelbare Begegnung im Mittelpunkt.

Für unsere dialogische Praxis liegt darin eine wichtige Anregung: Wir wenden uns einem Menschen zu, dessen Erfahrung wir noch nicht kennen. Im aufmerksamen Austausch kann etwas sichtbar werden, das sich erst zwischen uns entwickelt.

„Wo aber das Gespräch sich in seinem Wesen erfüllt, zwischen Partnern, die sich einander in Wahrheit zugewandt haben, sich rückhaltlos äußern und vom Scheinenwollen frei sind, vollzieht sich eine denkwürdige, nirgenwo sonst sich einstellende gemeinschafltiche Fruchtbarkeit.“

(Martin Buber, Das dialogische Prinzip. Bleicher Verlag, Gerlingen 1997, S. 295)

David Bohm: Unterschiede erkunden und Neues entstehen lassen

Der Physiker und Philosoph David Bohm richtete seine Aufmerksamkeit darauf, wie unser eigenes Denken das Gespräch beeinflusst. Menschen können dieselben Worte verwenden und ihnen dennoch unterschiedliche Bedeutungen geben.

Im Dialog lassen sich solche Unterschiede erkunden. Wenn wir wahrnehmen, von welchen Annahmen wir ausgehen und was die anderen verstehen, können neue Einsichten entstehen.

Dazu gehört, die eigenen Annahmen und Bewertungen zunächst in der Schwebe zu halten. Wir versuchen, sie zu betrachten und einander zugänglich zu machen, bevor wir ihnen unmittelbar folgen.

William Isaacs: Die Kunst, zusammen zu denken

William Isaacs beschäftigte sich mit dem Dialog auch im Zusammenhang mit der Zusammenarbeit in Organisationen. Er gründete das Beratungsunternehmen Dialogos und war Mitbegründer des Center for Organizational Learning am Massachusetts Institute of Technology, kurz MIT.

In seiner Arbeit geht es darum, über die Verteidigung eigener Standpunkte hinaus zu einem gemeinsamen Verstehen zu gelangen. Dafür braucht es eine Umgebung, in der Menschen sich äußern, zuhören und auch ungewohnte Gedanken erkunden können.

Für unsere Praxis ist dabei die Frage wichtig, wie wir einen solchen Rahmen miteinander gestalten und erhalten.

Martina und Johannes Hartkemeyer und Freeman Dhority: Dialog gemeinsam üben

Martina und Johannes Hartkemeyer sowie Freeman Dhority verbinden die Auseinandersetzung mit dem Dialog mit seiner praktischen Vermittlung. Ihr gemeinsames Buch „Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs“ gehört zu den Grundlagen unserer Arbeit.

Auch die auf dieser Website beschriebenen Kernfähigkeiten beziehen sich auf ihre Arbeit. Sie geben Anregungen, die Aufmerksamkeit auf das eigene Sprechen, Zuhören, Denken und Fühlen zu richten.

Mit Martina Hartkemeyer und Freeman Dhority verbindet uns außerdem unsere Ausbildung zu Dialogprozessbegleitern.

Von den Gedanken zur eigenen Erfahrung

Diese Hintergründe können helfen, die dialogische Haltung besser zu verstehen. Im gemeinsamen Üben begegnen uns die damit verbundenen Fragen ganz unmittelbar.

So bleiben die Gedanken mit der eigenen Erfahrung verbunden.